Geschichte

htv-geschichte_01.pngEs ist das Jahr 1825. Hamburg erholt sich langsam von den schweren Schäden und Verlusten der französischen Besatzung. In diesen schweren Zeiten findet sich die erste Erwähnung des Tierschutzes in Hamburg. In einem "Conclusum Collegis Ehrbarer Oberalten" wird der Wunsch laut, dass der "das Grundwesen der Sittlichkeit untergrabenden Tierquälerei durch ein positives Gesetz gewehrt werden möge". Die Verfasser beklagen, "dass es leider auch nicht zu leugnen ist, dass dieses Übel der Misshandlung der Tiere auch bei uns im Schwange geht."

"Auf mancherlei Weise zeigt es sich täglich vor unseren Augen in der gewissenlosen und unbarmherzigen Misshandlung der Pferde und des Schlachtviehs, in roher Grausamkeit gegen Haustiere, wie in den Martern und Qualen, welche eine sträfliche Nachsicht der Familienhäupter der Kinder gegen allerlei Kreaturen verstattet, ja selbst in manchen wahrhaft unmenschlichen Experimenten an sich unbedeutender wissenschaftlicher Untersuchung am lebenden Tiere."

15 Jahre später treten erneut Hamburger Bürgerinnen und Bürger zusammen, um den Tierschutzgedanken zu einem Bestandteil des menschlichen Bewusstseins in ihrer Stadt zu machen. Sie treffen sich im Gebäude der Patriotischen Gesellschaft und diskutieren darüber, ob es rechtens sei, wenn man Hunde als Zugtiere vor Transportkarren spannt. Die Damen und Herren gehören zum Vorstand des "Hamburger Vereins gegen Tierquälerei", dem unmittelbaren Vorgänger des heutigen Hamburger Tierschutzvereins. Bei der Versammlung kommt es zu hitzigen Wortgefechten, an deren Ende man sich auf einen Kompromiss einigt: Hunde dürfen als Zugtiere verwendet werden, wenn eine behördliche Genehmigung vorliegt. Die Versammlung endet mit folgender Empfehlung: "Es wird am zweckmäßigsten sein, die Erlaubnis, Hunde zum Ziehen zu verwenden, von einer obrigkeitlichen, nur nach vorheriger Inspektion erteilten Concession abhängig zu machen, die einerseits den Gebrauch zum Ziehen ungeeigneter Hunde gänzlich verhindert, andererseits doch eine gewisse Garantie gegen Misshandlung oder Vernachlässigung gewährt."

1841 - Gründung

Am 10. Dezember 1841 treffen sich auf Initiative der erst 20 Jahre alten Eppendorferin Amanda Odemann 113 Hanseaten zur Gründungsversammlung des Hamburger Tierschutzvereins von 1841 e. V.

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Es sind angesehene Bürgerinnen und Bürger der Stadt, die durch das alltägliche Leid der Tiere aufgebracht sind: Total erschöpfte Hunde zerren schwerbeladene Lastkarren durch die Kopfsteinpflasterstraßen der Stadt, Pferdeführer prügeln auf ihre Tiere ein, die völlig abgemagert unter der Last überladener Transportwagen zusammenbrechen. Und die Tierschützer können schnell einen ersten Erfolg verbuchen. Bereits ein knappes Jahr nach der Vereinsgründung ordnet die Polizeibehörde an, dass ein Pferd nicht mehr als eine Tonne Gewicht ziehen darf. Schuttfuhrleute, die mit ihren Gespannen zu schnell durch die Stadt fahren, werden zu drei Tagen Arrest, ersatzweise zwei Taler Strafe verurteilt. Die Hufeisen müssen genügend geschärft sein, und die eiserne Gebissstange muss an einer warmen Stelle aufbewahrt und darf dem Pferd nie kalt in den Mund gelegt werden.

htv-geschichte_03.pngAls nächstes nimmt sich der Verein des Schlachtviehs an, das nicht selten geknebelt und gefesselt zum Schlachter transportiert wird. Auch hierbei erzielen die Tierschützer einen raschen Erfolg, denn am 15. Juni 1855 erlässt der Patron von St. Pauli, Senator Dr. Meier, eine Verfügung, nach der "jedes geknebelt in St. Pauli ankommende Lamm von seinen Banden befreit werden muss, sowie es die Landungsbrücke berührt". Zur gleichen Zeit bereiten viele Jungs, die Jagd auf Spatzen machen, den Tierschützern Kummer. In einer vergilbten Chronik ist von Vogelfallen die Rede, "construiert nach Art der Fuchsfallen, womit Knaben Sperlinge fangen, die nicht immer gleich durch das Zusammenschlagen der Halbringe getötet, sondern oft jämmerlich zerquetscht wurden, Beinbrüche erlitten usw.". Auch Krähen und Raben sind gefährdet, stehen sie doch auf vielen hanseatischen Speiseplänen. Bevorzugtes Jagdgebiet ist eine Müllhalde vor dem Lübecker Tor. Einige Bürger schießen sich den billigen Braten, andere legen Gift aus. Dies ruft den Tierschutzverein auf den Plan, denn nicht selten fallen Hunde dem Gift zum Opfer.
Es ist verständlicherweise eines der wichtigsten Anliegen eines Tierschutzvereins, ein eigenes Tierheim zu betreiben. In den ersten Jahren nach der Gründung des Hamburger Tierschutzvereins wird diese Frage immer wieder erörtert, wenn von herrenlosen oder auf der Straße verunglückten Tieren die Rede ist.

Diese Tiere sollen eine Unterkunft erhalten, wo sie fachmännisch behandelt und gesund gepflegt werden können. Zu dieser Zeit fängt der "Fron" die herrenlosen Hunde auf der Straße ein und nimmt sie bei sich in der Fronerei auf. Meldet sich kein Besitzer, werden die Tiere getötet. Nimmt dagegen jemand einen herrenlosen Hund auf und wird kein Anrecht darauf geltend gemacht, darf er den Hund als Eigentum behalten.

1850 - Tierbewahranstalt

Im Jahre 1850 wird durch den Vorstand ein "Aufruf zu einer Tierbewahranstalt" in der Zeitung veröffentlicht, der aber nur wenig Anklang findet. Zwei Jahre später bildet der Vorstand deshalb ein "Comite fuer herrenlose Hunde". Weil es in der Fronerei nur drei Hundekäfige gibt, werden auf Vereinskosten zunächst drei weitere Käfige hinzugebaut. Der Verein bezahlt auch

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einen Tierarzt, der die Hunde in der Fronerei täglich untersucht und den Befund dem Komitee und der Polizeibehörde meldet. Die Polizei ist mit der Arbeit des Komitees sehr zufrieden und gibt die schriftliche Versicherung ab, dass sie alle Anordnungen des Komitees gutheißen wolle.

Doch die Raumfrage wird schwieriger. 1853 offeriert "der Oberleutenant Boeckmann dem Verein einen passlichen Stallraum für obdachlose Tiere", wie es in einer Niederschrift des Vorstandes heißt. Das Angebot wird zwar dankbar angenommen, doch zur Einrichtung eines Tierheims kommt es zunächst nicht. Fünf Jahre später wird im Vorstand vorgeschlagen, bei dem Zentralbureau, d. h. der Geschäftsstelle, ein Tierasyl einzurichten. Doch auch diese Anregung bleibt ohne Folgen. Erst 1861 schließt der Hamburger Tierschutzverein mit dem Tierarzt Schrader eine Vereinbarung, nach der dieser herrenlose Hunde auf Kosten des Vereins einige Tage bei sich aufnimmt. Aber bereits ein Jahr später ist diese Vereinbarung wieder hinfällig. Die Tiere werden wieder in der Fronerei abgegeben, und der Tierschutzverein versucht, sie durch Anzeigen in den Tageszeitungen bei tierlieben Mitmenschen unterzubringen. So liest man beispielsweise, daß der Verein versucht, "eine herrenlose Hündin dem Mitleid des Publikums zu empfehlen".
Im Dezember 1863 geht von G.C.L. Behnke, einem Mann, der sich sehr um den Hamburger Tierschutzverein verdient macht, erneut eine Initiative zur Schaffung eines eigenen Tierheims auf eigenem Grund und Boden aus. Doch wieder bleibt es bei der guten Absicht.

Erst am 10. Februar 1865 scheint es so, als könne der Grundstein zum Bau eines Tierasyls endlich gelegt werden. In den Räumen des Tierheilkundigen Peine in der Marktstraße schafft sich der Verein ein eigenes Heim für Tiere aller Art. Peine nimmt kranke, verunglückte und herrenlose Tiere in Kost und Pflege. Die Aufnahme erfolgt gegen einen vom Vereinsvorstand unterzeichneten Schein. Peine setzt Inserate in die Zeitung, in denen die Besitzer aufgefordert werden, sich innerhalb von drei Tagen bei ihm zu melden. Meldet sich kein Besitzer, gehört das Tier Peine zur freien Verfügung. Den Verkauf tätigt er aber zunehmend so eigenmächtig und geschäftstüchtig, dass der Tierschutzverein die Zusammenarbeit schließlich beendet. Im März 1871 scheint sich ein passendes Asyl bei dem Tierarzt Loehr im Gerberhof am Gänsemarkt zu finden, aber auch dieser erweist sich als unzuverlässig und unredlich. Und so kehrt der Verein wohl oder übel zu Peine zurück, der das Asyl fast 20 Jahre lang betreibt.

1887 - Neustädter Straße

Im Mai 1887 scheint das geeignete Areal für einen Neubau gefunden zu sein. In der Neustädter Straße 12, durchgehend zur Schützenstraße, wird für 33.000 Mark ein Grundstück gekauft und das Gebäude am 18. Oktober 1887 seiner Bestimmung übergeben. htv-geschichte_05.pngSeitdem gibt es in Hamburg ständig ein Heim für herrenlose und geschundene Tiere aller Art, auch wenn aus verschiedenen Gründen immer wieder ein Standortwechsel vorgenommen werden muss.

Ab März 1888 wird ein Asylvorsteher für 1.200 Mark Jahressalär angestellt, der auch im Asyl wohnt. Von morgens 7 Uhr bis abends 10 Uhr ist das Asyl zur Tieraufnahme geöffnet. Nach einigen Zwingerneubauten geht man auch dazu über, Tiere von Mitgliedern vorübergehend in Pension zu nehmen. Aufgenommen werden allerdings nur solche Tiere, über die ein tierärztliches Gesundheitszeugnis vorliegt. Doch die Freude dauert nicht lange, denn die Gegend gilt wegen des sich dort ausbreitenden "Gewerbes" zunehmend als anrüchig. Der Vereinsvorstand möchte es dem Publikum nicht mehr zumuten, das Tierheim an diesem Platz aufzusuchen, und sieht sich nach einem neuen Standort um.

htv-geschichte_06.pngIn den Jahren 1889 bis 1896 werden mehr als 20 Grundstücke besichtigt, doch erweisen sich alle als nicht zweckmäßig für den Bau eines Tierheimes. Im Februar 1897 kommt es endlich zu einer Einigung mit der Finanzbehörde und der Baukommission über ein Gelände an der Süderstraße. Der Verein erwirbt das Areal und verkauft das Grundstück in der Schützenstraße. Für den Neubau wird eine Summe von 32.000 Mark veranschlagt.

1897 - Süderstraße

Am 29. Juli 1897 wird der Grundstein gelegt, und nur drei Monate später wird der "Tierhort" unter Teilnahme von Senat und Bürgerschaft feierlich seiner Bestimmung übergeben. Für die damaligen Verhältnisse ist eine außergewöhnliche Leistung erbracht worden. Als im folgenden Jahr der Tierschutzkongress in Hamburg tagt, sind die auswärtigen Teilnehmer voll des Lobes über die vorbildlichen Einrichtungen im Hamburger Tierheim.

htv-geschichte_07.pngZu dieser Zeit hat der Hamburger Tierschutzverein noch ein eigenes Verfügungsrecht über herrenlose kranke und verunglückte Tiere, die, wenn sich kein Besitzer meldet, vom Verein an interessierte Tierfreunde weitergegeben werden.
Der Asylvorsteher wird in der Tierheilkunde ausgebildet, kurz darauf sogar ein Tierarzt verpflichtet, der täglich zur Behandlung erkrankter Tiere ins Tierheim kommt. Im September 1902 scheint auch die Zeit des Tierheims Süderstraße zu Ende zu sein. Der trockengelegte Marschboden, auf dem der Tierhort steht, senkt sich. Um nicht schon wieder umziehen zu müssen, gibt der Vorstand erhebliche Summen aus, um den Untergrund stabilisieren zu lassen.

Neben der Schaffung einer Unterkunft für herrenlose Tiere beherrschen die alltäglichen Tierschutzaufgaben die Aktivitäten des Vereins. Zur 50-jährigen Jubiläumsfeier kann sich der Hamburger Tierschutzverein schon als eine gut ausgestattete Tierschutzorganisation präsentieren. An fünf Polizeiwachen hält er speziell konstruierte Hebekräne in Bereitschaft, die ausrücken, um gestürzte Pferde wieder auf die Beine zu heben.

htv-geschichte_08.pngFür die zweckmäßige Beförderung verunglückter Pferde stehen zwei Ambulanzwagen bereit. Einer ist am Lübecker Tor stationiert, der andere auf dem Viehhof an der Sternschanze. Die Kräne, die von einem Hamburger Schlachtermeister ersonnen wurden, werden bald in größerer Stückzahl hergestellt und sogar exportiert. Selbst zahlreiche Städte in den USA ordern das praktische Gerät, das den Hamburger Tierschutzverein weltweit bekannt macht.

In der Stadt sind einspännige Wagen unterwegs, um aufgegriffene Hunde und Katzen zum "Thier-Asyl" in der Süderstraße zu transportieren. Um die Jahrhundertwende erheben die Tierschützer eine Forderung, die noch heute aktuell ist: die Abschaffung des Vogelmordes. Zu dieser Zeit ist ihr Blick allerdings weniger nach Süden als nach Helgoland gerichtet, denn "dort besteht diese böse Sitte, und wir hoffen, dass es uns, nachdem dieses Kleinod dem deutschen Vaterland wiedergewonnen, gelingen wird, dort nunmehr Wandel zu schaffen, denn wir können nur den Schutz unserer deutschen Sänger in den Südstaaten Europas erlangen, wenn in unserem eigenen Vaterlande der Vogelschutz ausgeübt wird". Auch das Tierelend im Hamburger Hafen wird angeprangert: "Es ist durch nichts zu entschuldigen, dass Tiere auf der Schiffsreise so wenig Nahrung haben, daß man sie schon ihren eigenen Unrat will haben fressen sehen."

In jenen Tagen werden immer noch sehr viele Ziehhunde verwendet. Die Klagen über schlechte Behandlung und Überanstrengung dieser Tiere nehmen kein Ende. Aus diesem Grund propagiert der Verein den Esel als Zugtier. Im Oktober 1900 kauft er acht Esel und gibt sie preiswert weiter.

Von diesen Aktivitäten im Dienst am Tier bis zum heutigen Tierschutz aus ethischen Gründen ist es aber noch ein langer und steiniger Weg. Immer wieder stehen der stetigen Fortentwicklung der Tierschutzidee materielle Schwierigkeiten entgegen. Der Erste Weltkrieg und die ihm nachfolgende Inflation zehren an der Substanz des Vereins und seiner Einrichtungen. Nachdem diese Krise durchgestanden ist, beginnen erneut die Sorgen um das Tierheim. Der Fiskus hatte dem Verein das Gelände in der Süderstraße zunächst nur für 25 Jahre überlassen, die jetzt abgelaufen sind.

1930 - Pachtvertrag

Nun macht im Jahre 1927 die Baubehörde ihr Anrecht auf den Grund und Boden geltend. Langwierige Verhandlungen werden geführt, umfangreiche Denkschriften ausgearbeitet. Endlich, am 7. November 1928, kommt die Antwort der Finanzdeputation, dass auf die Räumung des Platzes vorläufig verzichtet wird. Am 18. Juni 1930 wird der Pachtvertrag für das Areal verlängert. Ab November 1933 werden die Aufgaben des Tierheims erheblich erweitert, als die Polizei dort ihre Kleintiersammelstelle einrichtet. Dadurch müssen wesentliche Ergänzungsbauten vorgenommen werden, so beispielsweise das sogenannte Polizeihaus mit einer allerdings unzulänglichen Zwingeranlage. Gleichzeitig beginnen in der Wendenstraße 162 die regelmäßigen Hundeversteigerungen.

Das Inferno der Bombennächte des Zweiten Weltkrieges erschüttert auch den Hamburger Tierschutzverein, doch die Tierschutzarbeit bringt es nicht zum Erliegen. Der Tierhort und die Geschäftsstelle in der Süderstraße werden in der Nacht vom 28. zum 29. Juli 1943 im Feuersturm vollständig zerstört. Auch viele Tiere fallen den Luftangriffen zum Opfer, denn ihre Mitnahme in Luftschutzkeller und Bunker ist verboten. So werden viele treue Gefährten der Menschen unter den Trümmern der Häuser begraben, verbrennen im Feuersturm oder sterben durch Hitze und Rauch. Katzen und Hunde, die dem Inferno entkommen können, streichen in ganzen Rudeln zwischen den Ruinen umher, suchen Zuflucht in unzerstörten Kellern und ernähren sich aus den Trümmern. Es dauert oft lange, bis sie eingefangen werden können und im Tierheim eine vorläufige Bleibe finden.

Nur der Tatkraft des Außeninspektors Friedrich Meyn ist es zu verdanken, dass schon 1944 mit der Hilfe von Kriegsgefangenen aus diesen Trümmern ein bescheidener Bau als Tierasyl wiederersteht. Die Geschäftsstelle findet in der Gerhofstraße 12 eine neue Bleibe.
Noch während der Brandgeruch über der Stadt liegt, Zehntausende tot unter den Trümmern und in den Straßen ruhen und Hunderttausende kein Heim mehr haben, treten tierliebe Hanseaten dem Hamburger Tierschutzverein bei. Während sie selbst die größte Katastrophe in der Geschichte ihrer Vaterstadt erleben, gehört ihr Herz auch den hilfsbedürftigen Tieren. Am gleichen Tag, an dem die britischen Truppen 1945 das zerstörte Hamburg besetzen, gehen bei der Geschäftsstelle Beitrittserklärungen ein - ein gutes Zeichen für einen Neuanfang.

1947 - Wiederaufbau

Wieder ist es Friedrich Meyn, der buchstäblich mit den letzten Mitteln des Vereins 1947 den Wiederaufbau des Haupthauses des Tierhorts betreibt. Neue Fahrzeuge werden angeschafft und die Tierschutzaktivitäten wieder im alten Umfang aufgenommen. Und es gibt viel zu tun. Allein in den Ruinen der Stadt treiben sich ganze Rudel herrenloser Hunde herum.

htv-geschichte_09.pngDie Gebäude in der Süderstraße werden ständig ausgebaut und erweitert. Doch schon bald zeigt es sich, dass das Tierheim den wachsenden Ansprüchen nicht mehr genügt.

htv-geschichte_10.pngAls Otto Kertscher am 21. Februar 1955 zum 1. Vorsitzenden des Tierschutzvereins gewählt wird, beginnt eine neue Ära. Die Vorstellungen von einem modernen zweckgerechten Tierheim nehmen Gestalt an. Nach acht Jahren konsequenter Bemühungen und zäher Verhandlungen wird 1962 mit dem Neubau – ebenfalls in der Süderstraße – begonnen. Auf dem mehr als 25.000 Quadratmeter großen Erbpachtgelände entsteht unter Berücksichtigung in- und ausländischer Erfahrungen eine der damals modernsten Tierheimanlagen Deutschlands. Sie kostet rund 1,6 Millionen Mark. Das Geld stammt aus Spenden, Vermächtnissen und einem staatlichen Zuschuss in Höhe von 900.000 Mark aus dem Zahlenlotto. Soldaten der Bundeswehr leisten beim Bau tatkräftige Unterstützung.

1989 - Ära Poggendorf

Im Jahre 1989 tritt  Wolfgang Poggendorf als Geschäftsführer in die Dienste des HTV ein. Zwar löst der damalige Vorstand seinen Arbeitsvertrag nach einem nur kurzen Intermezzo im Jahre 1992 schon wieder auf. Er wird jedoch in einer äußerst umstrittenen Vorstandsentscheidung im Jahre 1995 erneut als Geschäftsführer berufen. Diese Entscheidung führt zum Rücktritt der damaligen 1. Vorsitzenden, der Rechtsanwältin Susanne Kubiak.

htv-geschichte_11.pngDie  folgenden Jahre sind alles andere als ruhmreich. Der Verein ist über die zweifelhaften Ansichten und Geschäftspraktiken  seines Geschäftsführers tief gespalten. Kritiker werden ausgeschlossen. Vorstandsmitglieder treten reihenweise zurück, weil sie sich mit der Art und Weise der Geschäftsführung durch Wolfgang Poggendorf nicht abfinden wollen. In den Vorstand gelangen Marionetten. Mit Klaus Nahrstedt, der vom Jahr 2000 bis zum Jahr 2005 erster Vorsitzender ist, erreicht diese Entwicklung einen traurigen Höhepunkt. Er  bekennt in einem späteren NDR-Interview als Vorstandsvorsitzender keinen Einfluss auf die Leitung des Vereins genommen, sondern alles dem Geschäftsführer überlassen zu haben. Schließlich übernimmt Wolfgang Poggendorf zum Jahreswechsel 2005/2006 selbst den Vereinsvorsitz.  

2007 - Neuanfang

Dann schreiben wir endlich das Jahr 2007. Die Presse berichtet über eine Eigentumswohnung auf Sylt, die dem HTV als Erbschaft zufällt. Der Privatmann Poggendorf erwirbt diese Wohnung direkt vom HTV für 130.000 Euro weit unter ihrem tatsächlichen Wert von 250.000 Euro.  Nach und nach werden weitere Verfehlungen des Wolfgang Poggendorf und seines Marionettenvorstandes bekannt. Nachdem die Finanzverwaltung aufgrund einer Betriebsprüfung zahlreiche Verstöße gegen das Gebot der ordnungsgemäßen Mittelverwendung rügt und den Entzug der Gemeinnützigkeit für die Jahre 2004 bis 2006 ankündigt, treten Wolfgang Poggendorf, die 2. Vorsitzende Kirsten Weckel und der Schatzmeister Manfred Elsen im Dezember 2007 von ihren Ämtern zurück. Ein von den übrigen Vorstandsmitgliedern eilig im Wege der Selbstergänzung zusammengezimmerter neuer Vorstand mit Karin Klinkradt an der Spitze versucht, Neuwahlen zu verhindern. Die alte Garde kann sich jedoch auf einer Hauptversammlung im Januar 2008 der Empörung der Mitglieder nicht erwehren. Der Klinkradt-Vorstand tritt - notgedrungen - nach weniger als einem Monat geschlossen zurück. Nun gibt es nur noch eine Lösung: Das Amtsgericht Hamburg bestellt einen Notvorstand. Bis zum Mai 2008 führen zwei Rechtsanwälte vorübergehend die Geschäfte - bis zur Neuwahl im Mai 2008.

htv-geschichte_12.pngDas, was viele gehofft, aber nur wenige geglaubt haben, tritt ein: Die Neuwahlen erbringen einen kompletten personellen Neuanfang. Die alte Garde wird abgewählt. Mit der Vorsitzenden Richterin am Verwaltungsgericht Dr. Gabriele Waniorek-Goerke an der Spitze tritt ein von der Vergangenheit persönlich unbelastetes Team an, um den Verein aus einem der größten Skandale in der Tierschutzgeschichte wieder herauszuführen.

Wolfgang Poggendorf ist wegen Untreue in einer Vielzahl von Fällen von der Großen Strafkammer des Landgerichts Hamburg zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt wurde, und einer Geldbuße in Höhe von 20.000 Euro zugunsten des HTV verurteilt worden. Er hat das Urteil angenommen.

Es wird zwar noch einige Zeit dauern bis die tiefe Vertrauenskrise, in die der Verein gestürzt ist, gänzlich überwunden sein wird. Aber schon jetzt ist der Neuanfang zu merken und zu sehen. Beispielsweise wurde die altbackene Website des HTV durch diese neue ersetzt, auf der -  für den HTV  erstmalig - die Tiere des Tierheims zur Vermittlung vorgestellt werden. Wir sind  im 21. Jahrhundert  angekommen. Die Tiere stehen wieder im Mittelpunkt der Tierschutzarbeit des Hamburger Tierschutzvereins von 1841 e. V.