Hamburger Tierschutzverein von 1841 e.V.
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Hamburger Tierschutzverein nimmt 30 gerettete Hühner auf

HTV-Mitarbeiterin Bernadette Patzak entlässt die geretteten Hühner in ihr zweites und richtiges Leben.HTV-Mitarbeiterin Bernadette Patzak entlässt die geretteten Hühner in ihr zweites und richtiges Leben.15. Juli 2015

In der Nacht auf Sonntag, pünktlich um 1.45 Uhr, machen sich zwei unserer Mitarbeiterinnen ehrenamtlich mit unserem großen Struppi-Tierrettungswagen auf eine besondere Rettungsfahrt. Ziel ist ein niedersächsischer Freilandbetrieb in der Nähe von Braunschweig, aus dem in dieser Nacht 810 Hennen ausgestallt werden.

Anders als Millionen weiterer Legehennen sollen sie nach ihrem ersten Lebensjahr nicht einfach aussortiert werden und im Schlachthof ihr junges Leben verlieren. Sie werden von der Initiative „Rettet das Huhn“ in Absprache mit dem Geflügelhofbetreiber offiziell befreit und deutschlandweit an Hühnerfreunde vermittelt.

Zum sechsten Mal unterstützte der Hamburger Tierschutzverein von 1841 e. V. (HTV) am vergangenen Wochenende eine solche Rettungsaktion. Die beiden Mitarbeiterinnen Bernadette Patzak und Ann-Kristin Tiedeböhl brachten fast 250 Hühner sicher in den Norden, 30 davon nahm der HTV selbst auf.

Tierpflegerin Ann-Kristin Tiedeböhl übergibt die Hennen an ihre neuen Halter.Tierpflegerin Ann-Kristin Tiedeböhl übergibt die Hennen an ihre neuen Halter.Alle übrigen Hühner wurden an tierliebe Privatpersonen vermittelt, die ihre neuen Schützlinge bereits sehnsüchtig erwarteten, als der Transporter gegen 9 Uhr wieder in der Süderstraße ankam. Ganze Familien waren mit ihren Kindern aus Itzehoe, Lüneburg und dem weiteren Hamburger Umland gekommen. Erwartungsfroh und ausgestattet mit Transportkisten und Käfigen stellten sie sich hintereinander an, um ihre Hühner gegen eine Spende in Empfang zu nehmen. „Es ist das wenige, was wir tun können“, sagte Stephanie Wiermann, die vier gerettete Hennen mitnahm und sich damit einen Traum erfüllte. „Das ist einfach eine super Aktion“, fand auch Familie Bückling aus Mölln, die fünf Hühnern ein neues Leben schenkte. Aber sie wissen auch: Diese fünf sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn man bedenkt, dass jährlich 40 Millionen Legehennen aussortiert werden und zu jeder von ihnen auch noch ein toter Bruder gehört – kurz nach dem Schlüpfen geschreddert oder vergast, weil die Hähne einer langsam-fleischansetzenden Rasse für das System keinen Wert haben.

Doch jener Sonntagmorgen gehörte den geretteten Hühnern. Kiste für Kiste wurden sie aus dem „Struppi“ geholt und in ihr neues artgemäßes Hühnerleben entlassen. Die beiden ehrenamtlich Aktiven Wolfgang Fenski und Petra Kruse packten beim Umladen und Reinigen tatkräftig mit an.

Unsere 30 Hennen haben ihr Gehege auch bereits neugierig erkundet, gackern, picken und scharren durchs Gelände. Sie sind ein bisschen zerrupft aber sonst wohlauf. Die Hühner sind von unseren Mitarbeitern bereits geimpft und entwurmt worden und nun zur Vermittlung frei. Die ersten Interessenten haben auch schon nach den geretteten Hühnern gefragt. Wenn auch Sie Hühner aufnehmen wollen und ihnen bis zu ihrem natürlichen Lebensende ein artgemäßes Zuhause bieten können, erkundigen Sie sich gerne zu den Öffnungszeiten im Kleintierhaus.

Hintergrund
Die allermeisten der jährlich rund 40 Millionen Legehennen in Deutschland landen nach einem Jahr als Eierproduzentinnen bereits im Schlachthof. Solange wurden die Hybridhühner durch hoch eiweißhaltige Fütterung, künstliche Belichtung und konstante Temperaturen in den Ställen zu unnatürlich hoher Legeleistung gebracht, sodass die Hennen über 300 Eier im Jahr legen. Doch nach etwa einem Jahr lässt diese erzwungene Produktivität durch die natürliche Mauser der Tiere nach. Zu diesem Zeitpunkt sind sie für die Geflügelhofbetreiber nicht mehr rentabel und werden daher durch neue Junghennen ersetzt. Dabei ist es gleichgültig, um welche Haltungsform es sich handelt. Die Hennen werden in der Regel zu Tierfutter oder in Biomasseanlagen zu Heizwärme verarbeitet. Hühner, die unter artgemäßen Haltungsbedingungen bis zu zwölf Jahre alt werden könnten, werden – wenn sie gerade mal erwachsen sind – getötet. „Rettet das Huhn“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Leben dieser Hühner zu retten. Die Tierschützer vermitteln die Hennen in ein artgemäßes Zuhause bei tierlieben Menschen, wo sie endlich ein wahres, glückliches Hühnerleben kennenlernen dürfen. Seit 2007 hat „Rettet das Huhn“ deutschlandweit über 30.000 Legehennen vermittelt. Der HTV unterstützt diese tolle Arbeit sehr gerne.

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