Letzter Reisebericht aus dem Hundelager Bucov – Abschied und Wiedersehen

Detlef Siggelkow ist glücklich, Betty in den Transporter nach Hamburg setzen zu können.12. Juni 2017

Der Bautrupp von HTV und ProDogRomania hat in den letzten Tagen einiges im Hundelager Bucov bewegen können. Zurück in Deutschland berichten sie uns von ihren letzten guten Taten dieser Reise und von der Ankunft der Hunde in unserem Tierheim in der Süderstraße.


Tag 7 – Der Tag, als der Regen kam

Planmäßig war das gesamte Baumaterial zu Überdachungen verbaut worden und alle Dachplatten verschraubt. Der heutige Tag war für Reparaturen der Hundehütten verplant und um die zahlreichen kleinen Gefahrenquellen für die Hunde zu beseitigen, wie zum Beispiel herausstehende Nägel oder Schrauben. Doch es kam anders! Durch den Starkregen am heutigen Tag lief ein Zwinger besonders voll Wasser und es bildete sich in dem eh schon stark durchmatschten Kennel sofort eine riesige Wasserpfütze. Allen war klar, diese Hunde brauchen vor unserer Abreise ein Dach. Also erneut zum Sägewerk, neues Holz geordert und den Händler überredet, dieses sofort zu liefern, weiter zum Großhandel und die Dachplatten eingeladen.

Auch der Regen hält den Trupp nicht auf.Daniela Esser und Anna Kleemann kämpfen mit Kies gegen den Matsch.





Zurück im Lager, wo die anderen schon alle Vorbereitungen getroffen hatten, wurde mit dem Bau des siebten Daches begonnen. Da der Boden so stark aufgeweicht war, dass die Pfoten der Hunde im Gemisch aus Kot, Urin, Trockenfutterresten und Sand nicht mehr zu sehen waren, wurde kurzerhand der gesamte Zwinger mit Kies gefüllt. Am Ende des Tages hatten die Hunde einen neuen Zwingerboden, ein trockenes Plätzchen für die Regentage und einen Schattenplatz für den kommenden heißen Sommer. Zwischendurch unterstützten Anna und Daniela die Tierärztin Irina bei der Vorbereitung der Hunde, die an diesem Wochenende ausreisen dürfen. Kaputt, aber sehr zufrieden ging es zurück in die Pension.

Franzi war eine große Hilfe für den Bautrupp.Die Reparaturliste.Alfons Russ bei einer der etlichen Reparaturen.








Tag 8 – Reisetag

Punkt acht Uhr ging es daran, mit vereinten Kräften die von Daniela und Anna erstellte Reparaturliste abzuarbeiten. Um elf Uhr öffnete sich erneut das Eisentor und der in Hamburg immer so sehnlichst erwartete Transporter fuhr ein. Nun hieß es für uns, die Hunde für den Transport aus ihren Zwingern zu holen. Zusammen mit der Tierärztin Irina und der Tierschützerin Mihaela Teodoru wurde jeder Hund noch einmal untersucht und die Chip-Kontrolle durchgeführt, bevor sie ihre Plätze im Transporter einnehmen durften. Ich bin immer wieder sehr erstaunt, wie entspannt sie in ihren Boxen liegen, als würden sie wissen, es beginnt ein neues Leben, ein Leben ohne Angst, Schmerzen, Durst oder Hunger.

Am späten Nachmittag hatten Franzi und Alfons die erstellte Notreparaturliste abgearbeitet und die Hunde waren verladen. Wir wünschten Emil und Gigi – den beiden Fahrern – eine sichere Fahrt. Das große eiserne Tor schloss sich hinter dem weißen Transporter. Auf ein Wiedersehen morgen in Hamburg …

Der Transport rollt los.Abschiedsgrüße für Palermo und seine Gang.


Tag 9 – Abreise und Ankunft

Um sieben Uhr ging es ein letztes Mal ins Hundelager, um die Hunde für Stefan und Irene abzuholen, für die ein Platz in den jeweiligen Flugzeugen reserviert war. Dann die Verabschiedung, ein letztes Stück Fleischwurst für Palermo und auf ging es Richtung Flughafen Bukarest. Mietwagen abgeben, einchecken, Hunde aufgeben und pünktlich um 13.55 Uhr hob der Flieger vom rumänischen Boden ab. Alfons und Stefan verabschiedeten wir in Frankfurt. Für Anna und mich ging es weiter nach Hamburg.
Zuhause angekommen, kurz die zurückgelassenen Familienmitglieder kuscheln, duschen, ein Brot schmieren und auf in Richtung Süderstraße, um Emil und Gigi und natürlich die Hunde im Hamburger Tierheim zu begrüßen.

Um 22.30 Uhr sahen wir die Lichter des Crafters. Da kommen sie … die Hunde, die wir vor vielen Stunden aus dem Lager Bucov in ein sicheres Leben schicken durften. Ich legte die Kamera beiseite, öffnete die hintere Tür des Transporters und wurde überschwänglich begrüßt. „Betty, nun fängt Dein Leben neu an, wir haben Dich da raus, Du kannst in ein neues Leben starten.“ Betty war nicht für die Ausreise geplant. Ich könnte über jeden der „Neu-Hamburger“ berichten, habe aber in der Bucov-Zeit eine besondere Beziehung zu ihr aufgebaut, daher die Geschichte von ihr:

Betty traf ich das erste Mal an unserem Ankunftstag, als wir uns einen ersten Überblick auf dem Gelände verschafften. Sie saß stark abgemagert in der prallen Sonne in einer Ecke ihres Zwingers, der auf dem hinteren Teil des Geländes liegt. Man sah, dass sie mit der gesamten Situation überfordert war, sie ist mir jedoch nicht weiter aufgefallen, da es von diesen Hunden hier sehr viele gibt. Wie das Schicksal es so will, waren am ersten Arbeitstag Arbeiten in ihrem Zwinger notwendig. Sie schoss auf mich zu, als würden wir uns schon ewig kennen. Für sie war klar, der da mit dem Akkuschrauber in der Hand ist meine letzte Chance hier rauszukommen. Seit diesem Tag wich sie mir nicht mehr von der Seite und das Jaulen, wenn ich ging, hörte ich noch von weitem. Wenn ich zu ihr ging, wurde ich mit Liebe von ihr überhäuft. Ihr Blick sagte deutlich: „Hol mich hier raus, bitte …“ Ich bat Stefan, alle Hebel in Bewegung zu setzen, um ihr einen Platz auf dem Transport zu sichern. Kurze Rücksprache mit unserer 1. Vorsitzenden Sandra Gulla und Betty durfte ausreisen. Was für ein freudiger Moment für uns beide, als ich ihr diese Nachricht ins Ohr flüsterte und sie wenige Tage später in ihre Box setzte, um sie nun hier in Hamburg aus dieser Box in meine Arme schließen zu können. Einen Moment hielten wir beide inne.

Nun hieß es, weitere Fotos von der Ankunft zu machen. Wie bei allen HTV-Ankünften lief der Abend sehr professionell ab, jeder Helfer wusste genau, was er zu tun hat. Nachdem alle Hunde ausgeladen waren und wir uns bei den Fahrern Emil und Gigi verabschiedeten, ging es zum Füttern und die ersten Streicheleinheiten genossen wir Helfer und die Hunde. Danach wurde das Licht gelöscht mit dem Wissen, ihre erste Nacht in Hamburg dürfen sie ohne Angst verbringen und es werden noch viele angstfreie Nächte folgen … ein neues Leben beginnt.

Es liegen neun aufregende Tage hinter dem Bautrupp, wir haben schlimme Dinge sehen und erleben müssen, jedoch auch viel Freude und Glücksmomente mitnehmen dürfen. In Bucov hat sich in den letzten Jahren viel verbessert, es ist jedoch weit, weit weg davon, mit einem deutschen Tierheim annähernd verglichen werden zu können. Freude, Leid und Tod liegen hier nach wie vor nah beieinander. Alle Mitglieder des Bautrupps werden in den nächsten Tagen das Erlebte verarbeiten müssen. Es wird aber der positive Eindruck bleiben, über hundert Hunden das Leben dort etwas erleichtert zu haben.

Danke an alle, die uns vor der Reise unterstützt haben, die uns während unseres Aufenthaltes ihr offenes Ohr geliehen haben, die uns nach der Reise mit offenen Armen empfangen haben, die uns auf unseren zukünftigen Reisen unterstützen werden. Ein großer Dank an alle Familienmitglieder, ohne die unsere Einsätze nicht umsetzbar wären. Jeder einzelne Hund ist und wird es wert sein. Zum Schluss wünschen wir dem am 10. Juni gestarteten Baile-Trupp alles erdenklich Gute und viel Kraft für ihren Einsatz. Kommt gesund wieder!

(Berichte und Fotos: Detlef Siggelkow für den HTV/ProDogRomania-Bautrupp 2017)


Zahlreiche Fotos aus den letzten Tagen in Bucov und von der Ankunft der Hunde in Hamburg finden Sie wieder hier in unserer Galerie.


 

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