Hamburger Tierschutzverein von 1841 e.V.
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Hunderte Chinchillas auf engstem Raum zusammengepfercht

Unsere neuen Schützlinge stammen aus einer illegalen Pelzzucht.Unsere neuen Schützlinge stammen aus einer illegalen Pelzzucht.30. März 2017

Über 500 Chinchillas wurden in kleinsten Käfigen unter katastrophalen Bedingungen im Ruhrgebiet gehalten. Offenbar wurden sie für die Pelzgewinnung missbraucht. Die empfindsamen Nager werden nun nach ihrer Rettung in verschiedenen Tierheimen betreut, auch bei uns.

Für uns ist es eine Selbstverständlichkeit, dass wir in einem Tierschutzfall derartigen Ausmaßes unseren Kollegen unter die Arme greifen. Wir helfen allen Tieren und auch über die Stadtgrenze hinaus, sofern es unsere Möglichkeiten zulassen. Daher kamen am Dienstag zu unserem Bestand von acht Tieren elf Mühlheimer Chinchillas hinzu. Für diese suchen wir nun gut informierte und verantwortungsvolle Menschen, die unsere neuen Schützlinge aus dem Ruhrgebiet adoptieren. Impressionen aus unserer Chinchillahaltung finden Sie

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Hintergrund:

Mülheim an der Ruhr wurde gleich mehrfach zu einem Tatort massiver Tierquälerei. Nach Hinweisen aus der Bevölkerung wurden Ende des vorigen Jahres 340 Chinchillas in zwei Wohnungen sichergestellt, weitere 60 Tiere dieser sensiblen Nager wurden aus einem Wohnwagen gerettet. Im benachbarten Gelsenkirchen wurden schließlich noch 122 weitere Tiere entdeckt und aus ihrer qualvollen Lage befreit. Sie waren in unfassbar kleine Käfige gesperrt, obwohl sie so bewegungsfreudige Felsbewohner sind und in Familienbänden leben. Neben Versteckmöglichkeiten brauchen sie auch unbedingt Sandbäder. Doch das Gegenteil war der Fall: Sie harrten in Dreck und Fäkalien aus. Da ist es nicht verwunderlich, dass viele dieser anspruchsvollen und stressempfindlichen Tiere sich in einem desaströsen Ernährungs- und Pflegezustand befanden und unter entzündeten Füßen, Atembeschwerden und Würmern litten, wie Marion Niederdorf, die Leiterin des Tierheims in Mülheim, berichtet. Einige Chinchillas haben sich sogar gegenseitig Bissverletzungen zugeführt. Was für ein Martyrium voller Verzweiflung, Angst und Schmerz!

Das Fell war in einem verhältnismäßig guten Zustand. Es war für die Tierquäler und Animal Hoarder offenbar das einzig Wichtige. Denn die Chinchillas dienten der Pelzgewinnung, wie die Städte Mülheim und Gelsenkirchen laut der Zeitung „Der Westen“ vermuten. Verkaufsgespräche sollen bereits stattgefunden haben, die „Ernte“ der Felle, wie die Pelzgewinnung kaltblütig genannt wird, stand wohl kurz bevor. Unter den Tieren gab es auch seltene, besonders gewinnbringende Farbvariationen. Besonders bitter: Gegenüber der Gelsenkirchener Tierhalterin wurde in der Vergangenheit ein Kleintierhaltungsverbot ausgesprochen – sie hielt sich aber einfach nicht daran. Und sie stand mit den Mülheimer Züchtern in engem privatem Kontakt. Allzu oft bleiben solche Verbote leider ungeprüfte und damit wirkungslose Formalien.

Für 20 dieser gepeinigten Seelen kam die Hilfe leider zu spät: Ihr so früher und sinnloser Tod konnte nicht verhindert werden. Immerhin wird ihre Haut nicht an den Kleidungsstücken irgendwelcher gleichgültigen oder unwissenden Modeopfer, die einem moralisch verwerflichen Trend hinterherwanken, prangen.

Das städtische Tierheim in Mülheim war mit so vielen Chinchillas naheliegenderweise überfordert und konnte nur 20 von ihnen bei sich unterbringen. Daher musste die Stadt leerstehende Räume anmieten und zwei Tierpfleger einstellen, um eine einigermaßen artgemäße Unterbringung der Opfer zu gewährleisten. Da dies kein Dauerzustand sein kann, wurde nach der behördlichen Freigabe der beschlagnahmten Tiere eine bundesweite Suchaktion nach Unterbringungsmöglichkeiten für möglichst viele von ihnen gestartet.

Es gilt größte Aufmerksamkeit beim Einzug der sensiblen Nager in ihre neuen Volieren.Es gilt größte Aufmerksamkeit beim Einzug der sensiblen Nager in ihre neuen Volieren.Manche der Chinchillas müssen sich bei uns noch sichtlich von den Strapazen der Vergangenheit erholen.Manche der Chinchillas müssen sich bei uns noch sichtlich von den Strapazen der Vergangenheit erholen.
Sorgfältig wird der Gesundheitszustand geprüft.Sorgfältig wird der Gesundheitszustand geprüft.Neugierig erkunden diese drei ihre neue Umgebung.Neugierig erkunden diese drei ihre neue Umgebung.